Warum deine Webseite nicht wertgeschätzt wird

Marketing, Content, Design, User Experience (UX), clevere Programmierung und Online-Shop-Architektur. Unternehmen investieren Ressourcen und stellen Expert:innen ein, um eine gute Webseite zu gestalten. Stabil, schnell, hilfreich und schön soll sie sein.

Die Zielgruppe kriegt in der Regel von der vielen Arbeit nichts mit. Deine Webseite ist für Besucher:innen selbstverständlich. Schließlich sind sie solche Seiten von anderen Anbieter:innen gewohnt. 

Für Online Marketer und ähnliche Berufe ist es hilfreich, sich das immer wieder bewusst zu machen. Andernfalls kann die fehlende Wertschätzung zu Frust im Job führen.

Gute Webseiten als Selbstverständlichkeit

Der aktuelle Trend zur Achtsam- und Dankbarkeit ermutigt dazu, Selbstverständliches wieder bewusst wahr zu nehmen.

Ja gerne, aber nicht bei Webseiten.

Dort gilt sogar das Gegenteil: UX-Designer freuen sich, wenn Webseitenbesucher:innen die Navigation nicht durchdenken. Sie soll intuitiv nutzbar sein. Zum einen, weil du Interessenten sonst aus ihren Gedanken reißt und sie dadurch deine Webseite als schlecht in Erinnerung behalten. Und zum anderen weil Besucher:innen ungeduldig sind und bei Nichtauffinden einer Informationen die Webseite wieder verlassen.

Gut funktionierende Webseiten fallen also nicht auf. Sobald eine Webseite langsam lädt, ein Link kaputt oder eine Info nicht auffindbar ist, ist der Unmut jedoch umso größer.

Eine gute Webseite ist ein Hygienefaktor.

Der gute Zustand muss immer vorhanden sein, um Unzufriedenheit zu vermeiden.
Er führt aber nicht zu mehr Zufriedenheit.

Penetranz der negativen Resten

Der deutsche Philosoph Odo Marquard war verkürzt der Meinung, dass dort wo großes Übel abgeschafft wird, keine Begeisterung entsteht. Vielmehr liegt die Aufmerksamkeit nun auf das kleinere übrig-gebliebene Übel.

Wer weniger zu leiden hat, leidet am Übrig-Gebliebenen dafür umso mehr.

Der Gedanke des Philosophen stammt aus dem Bereich der Medizin und lässt sich auch auf den Alltag oder eben auf Webseiten übertragen: Die umwerfend schöne Arbeitskollegin ist am Boden zerstört, weil sie seltenerweise einen Pickel in ihrem Gesicht bekommen hat. Ein bisher stets zufriedener Onlineshop-Stammkunde ist fuchsteufelswild, weil er unter Zeitdruck etwas bestellen muss. Ausgerechnet heute findet er das Teil im Online-Shop nicht.

Schöne Frau mit Pickel
Foto von Ike Iouie Natividad von Pexels

Fazit und nächste Schritte

Gute Webseiten werden selten wertgeschätzt, da sie als Selbstverständlichkeit gelten. Wenn Besucher:innen den Aufbau deiner Webseite nicht explizit wahrnehmen, hast du wahrscheinlich bereits tolle Arbeit geleistet. Deine Webseite ist intuitiv nutzbar.

Wie du herausfindest, ob Besucher:innen ein Problem mit deiner Webseite haben? Ein erster Anhaltspunkt ist, Anfragen an dein Unternehmen durchzuschauen. Welche Anfragen gibt es? Sind sie wiederkehrend und können sie auf deiner Webseite präventiv abgefangen werden?

Weiterführende Themen und Bücher

  • Das Buch “Don’t Make Me Think: A Common Sense Approach to Web Usability” von Krug Steve (auch auf Deutsch erhältlich)

  • Hygienefaktoren in Herzbergs Zwei-Faktoren-Theorie (im Zusammenhang mit Jobzufriedenheit, lässt sich aber auf andere Bereiche übertragen)

PS: Immer am letzten Tag im Juli ist der Ehrentag der Systemadministratoren. Das sind IT-Fachleute, die im Hintergrund dafür sorgen, dass deine Technik wie Zoom-Calls einwandfrei funktionieren.

Bei weitem nicht der einzige Beruf der Dinge in Schuss hält, die uns selbstverständlich vorkommen (bzw. im Bereich Hygienefaktor liegt). An dieser Stelle belasse ich es mit einem nachträglichen:

Happy Sysadmin Day! 🎉


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